Bernterode - Eselsrode

Wie der Name entstand

Bernterode - Eselsrode

Wie alles angefangen hat

Es war einmal…, so begannen die meist Märchen und Geschichten, die wir auch heute noch gern lesen und an jüngere Generationen weitergeben, so auch unsere dorfeigene Erzählung von „Wie aus Bernterode auf einmal „Eselsrode“ wurde!“

Es war im Jahr 1952, als der Dorfbewohner Heinz Senke den ersten Eselhengst namens „Hänschen“, erst zu Fuß von Halberstadt bis Werningerode/Harz und dann per Bahn nach Bernterode holte. „Hänschen“, vom Vorbesitzer ursprünglich „Jim“ genannt, stammte aus einer Zucht aus der Nähe von Halberstadt.

Er, sowie die nachfolgend angeschafften Esel wurden teils als landwirtschaftliche Arbeitstiere – anstelle der doch sehr kostenintensiven Pferde bzw. Kühe – angeschafft, teils auch nur aus reinen Interessen- und Hobbygründen. Im Laufe der Jahre wuchs ihre Anzahl im Ortsbild schnell auf eine zehnköpfige Eselfamilie, die in den Straßen und auf den Wiesen in und um unsere Gemeinde anzutreffen waren.

Als sich im Jahr 1964 dann der Bernteröder Karnevalsverein (BKV) gründete, wurde diese „Esel-Population“ von den Narren kurzerhand zum Anlass genommen, um aus dem Ortsnamen Bernterode einfach „Eselsrode“ zu machen und anstelle der bekannten „Helau-Karnevals -Rufe“ erschallt es in Bernterode seit vielen Jahrzehnten vornehmlich „Eselsrode – I-Aah“. Auch in den selbstgeschriebenen Texten der einheimischen Karnevalslieder aus dieser Zeit gab es immer wieder einen Bezug auf die damals etlichen tierischen Mitbewohner von Bernterode.


So lebten seinerzeit die Esel:

  • „Hänschen“ von 1952 bis 1977 bei Fam. Heinz Senke
  • „Luchs“ von 1955 bis Anfang der 70er Jahre bei Fam. Hans Bölke
  • „Ali“ von 1957 bis 1958 bei Fam. Willi Ewert
  • „Hans“ von 1958 bis 1970 bei Willi Ewert
  • „Mohr“ von 1963 bis 1970 bei Fam. Otto Götze
  • „Jacob“ von 1961 bis 1971 bei Fam. Adolf Günther
  • „Isabella“ von 1961 bis 1975 bei Fam. Engelbert Kühne
  • „Peter“ Sohn von Isabella – 1961 bei Fam. Engelbert Kühne
  • „Max“ Sohn von Isabella von 1963 – Anfang der 70er Jahre bei Fam. Hans Richter
  • „Fritz“ von 1958 – 1970 bei Fam. Ewald Gunkel
  • „Moritz“ von 1958 – 1974 bei Fam. Heinrich Mosebach
  • „Ali“ von 1958 bis 1973 bei Fam. Franz Hardegen


im Zeitraum 1952 bis 1977 in unserer Gemeinde Bernterode.


Ab 1978 waren die Esel wieder aus dem Straßenbild unseres Ortes verschwunden!

Dieser Umstand sorgte dafür, dass eigens für den großen Festumzug 1999, anlässlich der 825 Jahrfeier von Bernterode = „Eselsrode“, ersatzweise ein entsprechendes Grautier namens „Nina“ aus dem nahegelegenen Kallmerode organisiert werden musste.

Erst über 20 Jahre später entwickelten – aus einer Kneipenlaune heraus – Thomas Kohl und Niklaus Kohl die Idee, wieder einen Esel für Bernterode zu beschaffen. So organisierten sie im Nachgang einer Kirmesveranstaltung in der Gaststätte „Zur Schänke“ und bei Fußballspielen auf Sportplatz im Brückenweg entsprechende Geldsammelaktionen, um dieses Vorhaben realisieren zu können. Durch die Spendenbereitschaft der Bernteröder, sowie auch nicht ortsansässiger Sponsoren, konnte eine beträchtliche Summe zusammengebracht werden, sodass sowohl Kauf, als auch Futter und entsprechende Unterstellkosten für eine bestimmte Zeit gesichert waren.

Um 2004/2005 war es dann soweit. Niklaus und Michael Kohl holten ein Hengstfohlen aus Uelzen im Nordosten von Niedersachsen. Das Eselfohlen wurde mittels Einser-VW-Polo nach Bernterode transportiert. Eigens zu diesem Zweck wurde die hintere Sitzbank ausgebaut.

Mit dem Eintreffen erfuhr Bernterode eine Esel-Renaissance!

Im Rahmen des alljährlich stattfindenden Sportfestes wurde im Juli gleichen Jahres, während der Halbzeitpause eines Fußballspiels, die feierliche Namensgebung vollzogen, an der viele Zuschauer teilnahmen. Fortan wurde der Esel von Jung und Alt mit seinem Namen „Ambrosius“ gerufen. Je nach Laune reagierte dieser mehr oder weniger auf sein Rufen. „Ambrosius“ war fortan bei allen Dorffesten zugegen und zumindest bei den Kindern eine der Hauptattraktionen.

Im Laufe seines Daseins entwickelte „Ambrosius“ jedoch zunehmend Eigenheiten, welche darauf hindeuteten, dass er sich allein und sehr einsam fühlte. Die Besitzer suchten nach Auswegen in Form eines „Spielgefährten“ für ihn und nach kurzer Zeit wurden sie auch fündig. Eigens aus dem Erfurter Zoo bekam man als Dauerleihgabe den Esel-Hengst „Edward“. Später kam noch der Eselwallach „Anton“ hinzu. So wurde tatsächlich über Jahre hinweg die Harmonie durch die neu gebildete Gruppe wieder hergestellt.

Infolge beruflicher Veränderungen war man jedoch nach einigen Jahren gezwungen, die Esel in gute Hände abzugeben. Sven Heinze, ebenfalls ansässig in Bernterode, nahm alle 3 Esel in seinen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb auf. Dort wurden diese durch die gesamte Familie liebevoll versorgt und betreut und das bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie letztendlich verkauft bzw. in ihre Ursprungsställe zurückgeführt wurden.

Um 2016/2017 – nach über 10 Jahren – endete, durch Verkauf von „Ambrosius“ und Rückgabe der beiden anderen Esel an den Zoo Erfurt bzw. nach Berlingerode, zum zweiten Mal eine große Esel-Ära in Bernterode.
Gewohnte Esel-Begegnungen innerhalb und außerhalb des Ortes blieben fortan aus, und ihre vertrauten I-Aah-Rufe verstummten damit leider auch gänzlich in Bernterode!

Bleibt zu hoffen, dass unsere physischen Begegnungen und die Erinnerungen an die damalige „Esel-Ära“ in geeigneter Art und Weise weitervermittelt werden kann!

Bernterode zumindest bleibt auch über die zwei Esel-Epochen hinaus seinem Beinamen „Eselsrode“ treu und baute 2025 für nachfolgende Generationen, als Erinnerung an die Zeit, als Esel dafür sorgten, dass aus Bernterode auf einmal „Eselsrode“ wurde, ein symbolträchtiges Denkmal!

(Wer sich intensiver für die Esel-Geschichten aus Bernterode interessiert, dem sei die Broschüre „Bernteröder Esel-Chronik“ aus dem Jahr 1999, herausgegeben von Thomas Busse, ans Herz gelegt, welche im Jubiläumsjahr 2024 neu aufgelegt werden soll.)