Schutzhütte

Ein Kleinod mit Geschichte

Die Bernteröder Schutzhütte am Gerteröder Weg

Schon seit Jahrzenten gab es am Gerteröder Weg – direkt am Waldrand – diesen Grillplatz der Gemeinde Bernterode mit angrenzender zeltartiger Holzkonstruktion als Schutzhütte.

Die Naturgewalten der vielen Jahre hatten sowohl am Grillplatz selbst, wie auch an der Holzkonstruktion und den darunter befindlichen – mit Platten belegten Tanzfläche – ihre Spuren hinterlassen.

Da sich unser Wanderverein 2012 für die Ausrichtung des Eichsfelder Wandertages beworben hatte, musste hier dringend etwas verändert werden.

Die Idee, an dieser Stelle eine massive Schutzhütte zu errichten, wurde bereits im Jahr 2009 durch die Wanderfreunde Ehrenfried Börner, Werner Mosebach, Gerhard Solf, Rudolf Höch, Silvio Börner und Joachim Bötticher geboren.

Grundlage hierzu war das Bild einer solchen Schutzhütte in Kanada, welches ein Besucher von dort mitgebracht hatte.

Im Wanderverein wurde der Schutzhüttenbau thematisiert und ausgiebig diskutiert. Das Fazit am Ende: Allein können wir das nicht realisieren!

So wurde das Gesamtprojekt im Sommer 2010 in der Gemeinde vorgestellt. Diese stand dem Projekt positiv gegenüber und befürwortete den Umsetzungsgedanken.

Kurz darauf fand ein gemeinsamer Vor-Ort-Termin möglicher Beteiligter: der Gemeinde, dem Thüringen-Forst, dem Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft „Eichsfeld-Wipperaue“ und Vertretern des Wandervereins statt.

Im Nachgang erteilten Bauamt und Thüringen-Forst ihre Genehmigungen für die Umgestaltung des Grillplatzes und den Ersatzbau der Schutzhütte.

Seitens des Bauamtes wurde angeregt, eine Schutzhütte aus Holz zu errichten. Damit war die erste Hürde genommen.

Bei der alljährlich stattfindenden Versammlung aller Vereine unseres Ortes im Herbst 2010 wurde das Projekt vorgestellt und nahezu alle Vertreter waren sich einig: Das werden wir gemeinsam schaffen!

Den Vereinen wurde aufgrund der unterschiedlichen Mitgliederstärken dabei freigestellt, in welcher Form sie sich beteiligen, ob finanziell oder/und durch Erbringung von Arbeitsleistungen.

Das Gesamtprojekt wurde gesteuert durch ein, von Vertretern der einzelnen Vereine besetztes Projektkomitee.

Projektleiter war Joachim Bötticher, (Gemeinde-Wegewart und Abteilungsleiter Wandern) Finanzverwalter war Karl Kramer, (Kolpingfamilie) Mitwirkende bei der Planung: Thomas Busse, (SV – Vorstand) Ehrenfried und Silvio Börner. (SV – Abt. Wandern)

Darüber hinaus wurden im Vorfeld Gespräche mit weiteren benötigten Personen im Zusammenhang des Errichtens der Schutzhütte geführt.

Nachdem die Kalkulation für das benötigte Bauholz abgeschlossen war, konnten im Januar 2011 unter Mitwirkung der Lehrwerkstatt von Thüringen-Forst die benötigten Bäume im angrenzenden Gemeindewald gefällt werden.

Februar wurden diese auf Länge gesägt und von Maurice Iseke mit seinem Traktor auf die Freifläche unterhalb der Tanzfläche gezogen.

Das Rücken und Schälen der benötigten Bäume war eine schweißtreibende und keine einfache Arbeit. Durch die Mithilfe vieler Bernteröder Bürger konnten diese Arbeiten dennoch bis Mitte April abgeschlossen werden.

Die Schaffung der benötigten Baufreiheit durch Abriss der alten Holzkonstruktion war schnell erledigt und Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde konnten mit dem Ausheben des Fundamentes beginnen.

Durch die vorgefundenen schwierigen Bodenverhältnisse musste für den Untergrund ein Streifenfundament ausgehoben und betoniert werden, was so im Vorfeld nicht geplant war und zu erheblichen Mehrkosten führte.

Nach dem Einschalen des Fundamentes und Ausrichten der Konsolen wurde Ende April der Beton gegossen. Auch das Ausschalen gestaltete sich schwierig, konnte aber dennoch gemeistert werden.

Beim Herausnehmen der Betonplatten aus dem alten Tanzflächenbereich im Inneren der Schutzhütte mussten wir wiederum feststellen, dass vorhandene alte Bohrungen nach Gas, die hier vor ca. 60 Jahren erfolgten, uns nochmals vor Probleme stellten, die wiederum gelöst werden mussten.

Nachdem alles für den weiteren Fußbodenaufbau hergestellt war, wurde die Innenfläche komplett gerüttelt und die zukünftigen Standflächen der Ständerholzsäulen mit Schienen verstärkt.

Am 12. Mai 2011 lieferte das SIBO-Transportbetonwerk Worbis den speziellen Stahlbeton für die neue Bodenplatte.

Nach den Betonarbeiten wurde rund um das Bauwerk Erde aufgefüllt, auf Höhe gebracht und verdichtet.

Der begradigte Untergrund war damit fertig und es konnte mit den Vorarbeiten der neuen Holzkonstruktion begonnen werden. Dafür bildete sich eine feste Arbeitsgruppe, welche nahezu in gleicher Besetzung diese Arbeiten verrichtete.

Neben Ehrenfried und Silvio Börner, gehörten Gerhard Solf, Werner Mosebach, Rudolf Höch, Holger Hesse, Achim Hörnig, Frank Wedekind und Joachim Bötticher dazu.

Die 12 Ständerpfosten (12 Apostel) mit einem Durchmesser von ca. 35 cm wurden entsprechend bearbeitet und aufgestellt. Dann konnten die 5 Dachbinder – noch immer am Boden liegend – angepasst und verbolzt werden.

Das Aufstellen der fertigen Dachbinder war jedoch nur mit schwerer Technik möglich. Ein entsprechend großer Bagger der ortsansässigen Firma Fricke hob die Dachbinder am 11. Juni auf die Ständerpfosten, was, bedingt durch die gute Vorarbeit der beiden Zimmerleute Martin Winter und Rüdiger Poggel, letztendlich auch kein Problem darstellte.

Danach mussten die 14m langen Querbinder aufgelegt werden, was ein wenig schwieriger war, da der Bagger nicht ganz an das 8m lange Ende der Dachbinder gekommen ist.

Dieses Problem wurde jedoch durch die vereinte Muskelkraft der Bauleute gelöst.

Nachdem der Dachstuhl komplett war, konnte man schon einmal das Schutzhütten-Projekt in seiner ganzen Größe sehen und einem kleinen traditionellen Richtfest stand nichts mehr entgegen.

Nachdem das Grundgerüst des Bauwerks stand, konnten alle nicht mehr benötigten und einige neu geschlagene Stämme zur weiteren Bearbeitung auf den Sportplatz im Brückenweg transportiert werden.

Hier wurden mittels eines mobilen Sägewerks der Firma Gunkel aus Wingerode Bretter und Bohlen für das Dach und einige Seitenwände gesägt.

Ende Juni 2011 war der Unterbau des zukünftigen Daches vollständig mit einer Bretterschalung versehen und es konnte mit der Unterkonstruktion für das Ziegelblechdach begonnen werden.

Im Juli wurden die West- und Nordseite mit Brettern beplankt und feste Sitzbänke eingebaut.

Nach dem Waldfest und dem damit verbundenen „Tag der offenen Tür“ der neuen Schutzhütte am 14. August, wurden die Dachlatten ausgerichtet und verschraubt, sowie die abschließende Dachhaut in Form von Ziegelblechplatten aufgelegt und fixiert. Ende September war das Dach fertig.

Die alten Gehwegplatten wurden Mitte Oktober im Innenraum verlegt und im Außenbereich die Feuerstelle an einer anderen Stelle neu angelegt.

Im Frühjahr 2012 wurde ein kleiner Thekenanbau in Angriff genommen. Hier unterstützte uns tatkräftig der Tischlermeister Dietmar Pfeifenbring.

Um die Theke wurde noch gepflastert und das ganze fußläufig genutzte Areal mit Splitt und Kies wettertauglich aufgehübscht.

Die Wandflächen im Inneren der Schutzhütte wurden mit zahlreichen Motivbrettern versehen, die den Besuchern Wissenswertes, Sprüche und die Regionalhymne unserer Heimat – Das Eichsfeldlied – nahe bringen.

In vielen Stunden mühevoller Kleinarbeit hat unser – leider zu früh verstorbener – Wanderfreund Ehrenfried Börner diese Motivbretter von Hand mittels einer Oberfräse angefertigt.

So viel Fleiß und gemeinschaftliches Wirken zahlt sich immer aus!

Am 30. April 2012 konnte die Schutzhütte Bernterode mit einem feierlichen Einweihungsfest offiziell eröffnet werden.

Mit der Segnung durch Pfarrer Wieg und der Würdigung der erbrachten Leistung aller Beteiligten durch den Landrat Dr. Werner Henning und Bürgermeister Eberhard Wegerich, stand einem zünftigen Einweihungsfest nichts mehr entgegen, was auch von den vielen Anwesenden durch anhaltenden Beifall honoriert wurde.

Die Schutzhütte Bernterode wurde an die Gemeinde übergeben.

Am 3. Juni 2012 fand in Bernterode der 15. Eichsfelder Wandertag und unser 6. Volks- und Familienwandertag mit 750 Teilnehmern statt. An der Schutzhütte wurde dazu eigens der Verpflegungspunkt eingerichtet und alle Besucher und Wanderfreunde waren sich wertschätzend einig: „Hier ist ein herrliches Kleinod – ein Platz zum Verweilen – entstanden!“

Auch weitergehend wurde daran gearbeitet, den Aufenthalt hier noch angenehmer zu gestalten.

So wurde im Sommer 2012 der Thekenbereich separiert und abschließbar gestaltet, sowie Lampen und Steckdosen verbaut, welche bei Bedarf über ein Notstromaggregat betrieben werden konnten.

Am 30. September gab es dann eine Dankeschön- Veranstaltung für alle Helfer, die am Bau der Schutzhütte mitgewirkt haben.

Das Projekt „Errichtung einer Schutzhütte“ war damit abgeschlossen.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle allen Sponsoren, Entscheidungsträgern, beteiligten Unterstützern sowie handelnden Personen und Vereinen!

Ohne die verlässliche Zusammenarbeit wäre das Projekt nie zustande gekommen!

Kumuliert wurden über 4000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit erbracht und ungefähr 11.000 €, welche größtenteils aus Spenden stammten, verbaut.

Danke nochmal an alle, die sich hier eingebracht haben!

Das, an „Maria Himmelfahrt“ Mitte August, nach der Andacht an der Klus unweit der Schutzhütte, jährlich stattfindende Waldfest kann nun auch wieder hier gefeiert werden.

Auch unsere Kindergartenkinder haben nun ein weiteres Ziel für ihre wöchentlichen Waldwanderungen.

Seit 2013 wird jedes Jahr zu „Christi Himmelfahrt“ eine Männertagsfeier organisiert und der Erlös daraus wird für anfallende Arbeiten an und um die Schutzhütte genutzt. So wurde 2013 die Dachrinne gekauft und angebaut. Von den Erlösen 2014 wurde die Toilette errichtet und Planen angeschafft, welche bei Bedarf seitlich angebracht werden können. Dies wird oftmals bei den stattfinden Feiern in der Schutzhütte genutzt.

2015 wurden von den Erlösen 4 Tisch-Sitz-Garnituren in der Schutzhütte hergestellt und das Teehaus vor dem Wald gebaut.

Oberhalb von der Feuerstelle wurde 2016 davon Schotter aufgebracht.

Erlöse aus 2017/18 wurden für eine Anbindung an das öffentliche Elektronetz und das entsprechende Verlegen eines Erdstromkabels in die Schutzhütte verwendet, sowie für den entsprechenden Umbau der Elektroanlage.

2020 wurden der Tisch und die drei Bänke über der Feuerstelle und die Bänke gegenüber von der Schutzhütte gebaut.

Wie unschwer zu erkennen, wurde auch nach der offiziellen Übergabe der Schutzhütte im Jahr 2012 viel für diesen Standort geleistet.

Ohne die zahlreichen zuverlässigen Helfer wäre es jedoch nicht zu schaffen!

Einige Freunde der Schutzhütte möchte ich dazu nennen: Ehrenfried Börner, Gerhard Solf und Rudolf Höch (leider alle drei schon verstorben).

Einen herzlichen Dank auch an Silvio Börner, Werner Mosebach und Joachim Bötticher.

In den letzten Jahren dazugekommen: Wolfgang Kohl, Rüdiger Böcker, Achim Lechte und Rüdiger Schwarz. Auch euch ein herzliches Dankeschön!

Man kann nur hoffen, dass unsere Kinder und Enkelkinder diesen Platz noch in dem Zustand wie heute vorfinden und nutzen können!

Wer die Schutzhütte mieten will, sollte sich bei mir (Joachim Bötticher) unter den Telefonnummern 036076 51876, Handy: 01743442398 oder 015156514855 melden und einen Termin vereinbaren.

Da es jedes Jahr viele feststehende und bereits gebuchte Termine gibt, wäre eine frühe Anfrage/Reservierung wünschenswert.

Ich hoffe, der kleine Abriss von der Idee bis zur Vollendung der Schutzhütte Bernterode war informativ und wünsche mir, dass dieser Ort für alle zur Freude und Erholung beträgt und die nächsten Generationen auch noch was davon haben.

Joachim Bötticher