Bernteröder Stationsweg

Tradition und Moderne vereint

Bernteröder Stationsweg

Nordwestlich von Bernterode, am direkten Weg zum Waldgebiet „Lindei“ gelegen, entstand vor über 100 Jahren ein Freiland-Stationsweg, welcher eindrucksvoll, in Stein gehauen, die Leidensstationen von Jesus Christus in Jerusalem nachbildend darstellt.

Üblicherweise sind solche Stationswege als Kreuzweg (via crucis = Weg des Kreuzes) mit 14 Stationen angelegt.

In Bernterode ist mit dem Aufstellen der ersten zwölf dieser 14 Stationen des Kreuzweges im Jahr 1914 begonnen worden. Jedoch sollte es ganze 14 Jahre dauern, bis der Rundweg in seiner jetzigen Form fertiggestellt wurde.

Eingearbeitet in 12 stilgleiche Stationsgehäuse aus rotem Sandstein, welche vom Heiligenstädter Steinmetzmeister Franke gefertigt wurden, sind Sandsteinreliefs, die den Leidensweg Christi darstellen. Diese wurden in der Kölner Werkstatt des Bildhauers Wilhelm Albermann (1835-1913) gefertigt.

Obwohl die vorletzte – die 13. Station – immer noch fehlte, wurde im Jahr 1920 die 14. Station in Form einer Tuffsteingrotte errichtet und der unfertige Stationsweg am 18. September 1921 durch den Franziskanerpater Chrysostomus feierlich eingeweiht.

Ein Jahr später, im Jahr 1922, wurde die 13. Station zwar bestellt, konnte aber wegen der aufkommenden Inflation finanziell nicht mehr angeschafft und hinzugefügt werden.

Erst 1928 gelang es, die bereits vorhandenen Stationen zu vervollständigen. So waren nun alle der etwa 3,20 Meter hohen Stationsgehäuse aus Buntsandstein – welche übrigens denen vom Stationsweg in Leinefelde gleichen – mit einer Bekrönung durch ein Sandsteinkreuz und durch geschwungene Metallziergitter, welche die innen liegenden Reliefs schützen sollen, ausgestattet.

Auch die 13. Station wurde zwischenzeitlich errichtet. Allerdings entspricht sie nicht dem Stil und dem Aussehen der vorstehenden zwölf Stationen. Sie wurde Grabmal ähnlich aussehend, als abgestufte Sandsteinstele mit aufgesetztem Kreuz errichtet.

Wie aus einer Veröffentlichung der beiden Heimatforscher Peter Anhalt und Hermann Schüttel zu erfahren ist, soll diese vorab wohl auf einem Priestergrab bei der Kirche in Bernterode gestanden haben.

Ohne das – für den restlichen Stationsweg charakteristische Stationsgehäuse – ist diese Stele kleiner und schlichter in ihrem Aussehen.

Nachfolgend eine Beschreibung: Direkt unter dem oben befindlichen aufrechtstehenden Kreuz ist die römische „XIII“ für die 13. Station eingehauen. Unmittelbar darunter, von einem Gesims umgeben, ist auf der Vorderseite das Symbol der Dreifaltigkeit im Strahlenkranz zu sehen. Im unteren Drittel der Stele – auf einer hervor gehobenen Platte – ist mittig ein Kelch mit Hostie dargestellt. An dessen Fuß sind als Schmuckelemente ein Feigenzweig, ein Falter und zwei Mohnkapseln, sowie das sich mit einem Anker kreuzende Christuskreuz zu sehen.

Betreut werden die einzelnen Stationen seit vielen Jahren von Familien aus dem Ort.

Seit 2021 gehört auch das zugehörige Grundstück der Kirchengemeinde Bernterode, welche es von Familie Schwert bekommen hat.

Die Stationen sind bautechnisch in einem guten Zustand und werden auch regelmäßig auf Beschädigungen, welche durch Wind und Wetter bzw. durch andere Gewalt auftreten können, überprüft.

Der Freilandkreuzweg ist auch gut erreichbar. Ob per Zug vom Bahnhof Bernterode oder mit dem Fahrzeug über die Landstraße L 2048 von Niederorschel bzw. der Bundesstraße B 80 her kommend, kann direkt vor der Bahnunterführung auf dem Schotterplatz am Bildstock der „Dreifaltigkeits-Klus“ geparkt werden.

Zum Erreichen des Ziels: „Bernteröder Stationsweg“ gibt es mehrere Möglichkeiten:

a) Der kürzeste Weg führt vom beschriebenen Parkplatz aus in westliche Richtung, wahlweise links- bzw. rechtsseitig parallel der Bahnstrecke entlang. An der nächsten Bahnbrücke hält man sich rechts und geht den ansteigenden Weg hinauf zum Stationswäldchen.

b) Möchte man hingegen durch den Ort Bernterode gehen, um den Stationsweg zu erreichen, so folgt man den Ausschilderungen „Rundwanderweg“ oder „Pilgerweg“ und erreicht, an der „St. Martin Kirche“ vorbei und über die überdachte Wipper-Brücke gehend, den oben genannten Stationsweg.

c) Eine weitere Möglichkeit – und gleichzeitig die längste Wanderroute dorthin – wäre die Nutzung vom „Panoramawanderweg“, bei dem man oberhalb des Stationswäldchens ankommt.

Auch von unseren Nachbargemeinden Gernrode und Breitenworbis ist ein Erreichen über gut befestigte und ausgeschilderte Wanderwege möglich.

Zusammengetragen und aufgeschrieben, unter teilweiser Nutzung von Text-Passagen aus „Stationswege Eichsfeld“, von Wanderfreund Joachim Bötticher