Die längste Bank Thüringens mit Tisch (26,61m), gefertigt aus einem Lärchenstamm – Ein Gesamtbericht von der Grundidee bis hin zur tatsächlichen Umsetzung
Anlässlich des 25 jährigen Jubiläums unserer Abteilung Wandern der SV Bernterode e.V. und in Vorbereitung des geplanten Eichsfelder Wandertages 2022, welcher in unserem Ort stattfinden sollte, wollten wir etwas besonders – weit über diese Zeitrahmen hinaus sichtbares schaffen – besser noch – selbst bauen.
Die Idee: Warum nicht mal eine lange Bank? kam den Wanderfreunden Rüdiger Böcker, Silvio Börner, Wolfgang Kohl und Joachim Bötticher beim Herstellen der vielen kleinen Bänke, welche damals gerade für die zahlreichen Wanderwege rings um Bernterode in Eigenleistung gebaut wurden.
In Schmalkalden hatten wir schon 2019 die bis dahin längste Bank Thüringens gesehen, einen 19-Meter-Stamm mit ein paar ausgeschnittenen Sitzflächen.
Zudem hatten wir ja bereits zahlreiche andere Projekte gemeistert und somit schon eine gewisse Erfahrung mit Holz und Bänken gesammelt.
Schlussfolgernd lautete der gemeinsame Tenor: „Das bekommen wir noch besser hin!“
Damit war der Grundgedanke geboren. Aber wo stellt man eine solche Bank von mitunter über 20 m Länge gut sichtbar und nutzbringend auf?
In Betracht kommende Standorte, wie: Bei der Schutzhütte am Gerteröder Weg konnten sogleich verworfen werden, da dort bereits genügend Bänke stehen; hingegen wäre am Hagenberg, beim alten Sportplatz, ein guter Platz gewesen, jedoch waren die entsprechenden Eigentumsverhältnisse dort nicht eindeutig geklärt.
So kamen wir auf den Standort in der unmittelbaren Nähe zum Bildstock des „Heiligen Grabes“ am Lindei. Hier gehört das Flurgrundstück der Gemeinde Bernterode.
Die erste strategische Hürde war damit genommen und so ganz nebenher gesellte sich auch noch eine wesentliche touristische Erkenntnis hinzu.
Von diesem Standort aus hat man bei schönem Wetter eine hervorragende und nahezu Rundum-Landschaftsaussicht: Richtung Süd-Westen: zum „Rondel“ bei Vollenborn, Richtung Nord-Osten: zur „Eichsfelder Pforte“, Richtung Norden: zu den „Bleicheröder Bergen“ und der Hasen- und Harburg, Richtung Nord-Westen: dem „Ohmgebirge“ bis zum „Klien“ bei Breitenbach, um nur einige zu nennen.
Es führen an diesem Standort auch unser „Rundwanderweg“ und der „Panoramawanderweg“ entlang, also ein idealer Platz für eine solche Bank!
Außerdem kann dieses Wanderziel über gut ausgeschilderte befestigte Wander- bzw. Wirtschaftswege auch von Breitenworbis oder Gernrode her kommend, erwandert bzw. angefahren werden.
Nachdem die Standortfrage geklärt war, ging es nach Absprache mit dem Thüringen-Forst und der Gemeinde ans eigentliche Werk.
Super war, dass wir im nahegelegenen Wald einen geeigneten Baum für unser Vorhaben fanden. Eine in Frage kommende etwa 40 m hohe Lärche wurde am 30. Januar 2020 mit einer Harvester-Holzvollerntemaschine entnommen, entästet, die Krone abgeschnitten und anschließend zum Aufstellungsort der Bank transportiert.
Dort angekommen, haben wir den Stamm geschält und ihn ein halbes Jahr trocknen lassen. Während dieser Zeit ist er ganze 10 cm geschrumpft und hat sich eingedreht.
Während dieser Lagerungszeit kamen zahlreiche Spaziergänger und Wanderer am Lagerort vorbei und wunderten sich, was das wohl werden soll. Schnell verbreiteten sich die abstrusesten Vermutungen.
Mit der Zeit hatte sich jedoch herumgesprochen, was wir tatsächlich mit dem Stamm vorhatten.
Im August 2020 ging es dann richtig los.
Der Stamm wurde geschliffen und die Unterhölzer angefertigt.
Danach haben wir den Unterbau aus gleichmäßig verteilten Schotter-Kiesbett-Schichten hergerichtet. Auf diesen wurden Betonplatten und darauf die entsprechenden Unterhölzer aufgelegt.
Die nächste Aktion gestaltete sich schwierig, denn der Baum musste auf den Unterhölzern ausgerichtet und mittig durchgeschnitten werden.
Dazu wurde – wegen der besseren Sichtbarkeit abends – der Stamm mittels Laser vermessen, um somit durchgehend die richtigen Abstände zur Mitte zu halten.
Anzeichnen geschafft – jedoch stand nunmehr der Hauptakt an!
Es galt den 26,61m langen Stamm vor Ort mittig zu trennen. In harter und schweißtreibender Arbeit für alle Beteiligten wurde dieser mit einer 90 cm-Schwert-Benzinkettensäge, unter Zuhilfenahme einiger Hilfsmittel, durch den Besitzer der Kettensäge, unserem Freund Georg Kohl, exakt mittig querverlaufend durchtrennt.
Ohne nennenswerte Zwischenfälle war es in ca. 4 Stunden geschafft und nun lagen sie da, die zwei Längshälften der Lärche. Und eine nächste Frage stellte sich: Eine Bank mit Lehne oder vor die Bank einen Tisch bauen?
Schnell wurde klar: Die meisten langen Bänke haben eine Lehne, die wenigsten einen Tisch. Logische Schlussfolgerung: Wir entschieden uns für einen Tisch!
So wurde erst einmal die Sitzbank ausgerichtet und dann auf den Unterhölzern angeschraubt.
Der Tisch stellte uns vor eine erneute Herausforderung. Wie bringen wir diesen auf eine Höhe von 75 bis 80 cm, ohne dass er dabei durchbricht?
Mit handwerklichem Geschick und der nötigen Erfahrung war das Problem schnell gelöst und der Tisch konnte ebenfalls verschraubt werden.
Nachdem für beide Bauwerke die Standsicherheit gewährleistet war, mussten Bank und Tisch noch geschliffen werden, damit sie voll gebrauchsfähig waren.
Hier erhielten wir spontane Hilfe von unserem Freund Achim Lechte aus Gernrode.
Bank und Tisch waren nun gebrauchsfähig und konnten für ein erstes Picknick durch die Anwesenden genutzt werden.
Im Anschluss erfolgte ein nochmaliges Schleifen beider Bauteile.
Schutzbringend wurden die Oberflächen mittels Ölauftrag zudem noch versiegelt.
Momentan ist unsere Bank mit 26,61 m, die aus einem Stamm hergestellte längste Bank Thüringens mit Tisch!
Wir haben geschätzt, dass auf ihr etwa 55-65 Personen bequem sitzen können. Jedoch wurden wir eines besseren belehrt. Bei einer Bankwanderung 2022 staunten wir nicht schlecht, als dort 179 Personen gesessen haben und immer noch Platz war!
Mittlerweile ist unsere 26,61 m-Bank auch schon eine kleine „Fernsehdiva“. Sowohl das Thüringenjournal selbst mit einem Bericht über die längste Bank Thüringens, wie auch zu einem späteren Zeitpunkt, der sich daran anschließende Thüringer Wetterbericht wurden dort oben aufgezeichnet.
Bei der Fernsehaufnahme des MDR für das Thüringenjournal im September 2020 standen 385 kleine Bierflaschen in einer Reihe auf dem Tisch. Das gibt es auch nicht alle Tage auf einem einzigen Tisch zu sehen.
Am 4. Oktober 2020 wurde das Längste-Bank-Tisch-Bau- Ensemble bei schönstem Herbstwetter und reger Anteilnahme von etwa 300 Besuchern durch Pfarrer Ruhling gesegnet, eingeweiht und letztendlich offiziell für die liebevolle Nutzung freigegeben.
Im Sommer 2021 haben wir dann die 2. Bankreihe mit drei 8,50m-Bänken komplettiert. Durch die bewusst gelassenen freien Räume zwischen den Bänken ist es nun auch für Menschen mit Rollstuhl möglich, direkt an den Tisch heranzufahren.
Auch in den Jahren danach wurde das dortige Areal weiterentwickelt. So entstanden 2022 die Jubiläumsbank und 2024 zum Deutschen Wandertag, welcher im Eichsfeld stattfand, der Fotorahmen.
Je nach Wetterlage kommen pro Tag zwischen 50 bis 200 Personen – vielmals mit Picknickkorb und anderen Sachen – und genießen die Ruhe, Natur und herrliche Aussicht.
Wir freuen uns, dass unsere Idee so gut angenommen wird und hoffen, dass die lange Bank, nicht nur lange hält, sondern auch unversehrt weiterhin ein schönes und sauberes Ausflugsziel zur Freude aller bleibt!
Wir danken der Gemeinde, dem Thüringen-Forst und allen Helfern, besonders Georg Kohl und Achim Lechte, für das Umsetzen und Gelingen dieses nicht alltäglichen Projektes.
Auch unseren zwei jüngeren Mitgliedern Leon Böcker und Philipp Bötticher danken wir recht herzlich für ihre Mithilfe.
Ein großer Dank auch den Spendern, die es ermöglichten, die Bepflanzung am nahe gelegenen „Heiligen Grab“ zu finanzieren.
Im Namen der Abteilung Wandern und aller Wanderfreunde aus Bernterode Joachim Bötticher
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Das „Heilige Grab“
Das „Heilige Grab“ wurde im Jahr 1798 erbaut. Auf einem Bild ist die Grablegung Christi dargestellt. Die Inschrift „Memento Mori“ soll daran erinnern, dass unser irdisches Leben einmal zu Ende gehen wird.
Über Jahrhunderte hinweg besuchten Gläubige aus Bernterode und anderswo diesen Bildstock um zu beten und inne zu halten.
Während der gesamten Zeit musste das Bauwerk den Kräften der Natur standhalten. Nichts konnte es erschüttern, es überstand Blitzeinschläge in benachbarte Bäume, Stürme und Hagel.
Nur einem Brandanschlag durch Unbekannte am 22. März 2015 konnte sich die Gebetsstätte nicht erwehren und wurde durch diesen komplett zerstört.
Die damit verbundene tiefe Betroffenheit und das Unverständnis für diese Tat äußerten nicht nur die katholische Kirchgemeinde, sondern viele Menschen, auch aus den umliegenden Orten.
So entwickelte sich sehr schnell der Gedanke und feste Wille, diesen Jahrhunderte alten religiösen Ort wieder in seinem Ursprung aufzubauen!
Begünstigt durch zahlreiche Spendengelder, sowie durch die Unterstützung der Gemeinde, Bernteröder Handwerksbetriebe und umliegender Handwerkerfirmen konnte das „Heilige Grab“ nach Maßgabe seines ursprünglichen Aussehens in kürzester Zeit wieder aufgebaut werden.
Am 4. Oktober 2015 fand im Rahmen einer ökumenischen Andacht mit vielen Anwesenden – auch aus umliegenden Orten – die Wiedereinweihung durch Herrn Pfarrer Gellrich und Herrn Pfarrer Mucke statt.